Die Träume eines Anderen
kavukcu1

Cemil Kavukçu:

Die Träume eines Anderen

Erzählungen
Deutsche Erstausgabe
Aus dem Türkischen und Nachwort:
Beatrix Caner

240 Seiten
gebundene Ausgabe
IS
BN 3935535163

16,80 EUR

„Männergeschichten“ sind in der türkischen Literatur – entgegen aller Erwartung – eine Rarität. Cemil Kavukçu schreibt ungeheuer spannend und ehrlich über die innere Welt türkischer Männer. Die Ehrlichkeit, Unverfälschtheit und vor allem die Glaubwürdigkeit seiner Figuren bietet einen fesselnden und aufregenden Blick in die Emotionen und Gedanken jener Menschen und Schichten, die nur selten Einzug in die Literatur halten: Menschen am Rande der Großstädte, Seefahrer, kleine Gauner, Zigeuner, Trinker, Schürzenjäger und Grobiane. Bereits die authentische Erzählweise ist so fesselnd, dass man Lust bekommt, immer tiefer in diese neuartige Welt einzudringen.

Cemil Kavukçu ist eine literarische Rarität. Und als Autor stets unter den besten.

AUS DEM NACHWORT:

Die Erzählungen in diesem Band sind auf dem ersten Blick realistisch auf dem zweiten Blick erst hintergründig. Und erst nach einem intensiven Eintauchen entwickeln sie ihren etwas bitteren Charme. Kavukçu verbindet nämlich Spott und Dramatik, ja sogar Tragik, so ungewöhnlich, dass sich die Tagweite des Gelesenen erst allmählich deutlich wird. Zudem tut er so, als wäre er nicht ein »Mann des Wortes«: er benennt das Wesentliche nicht, führt den Leser nicht mit sicherer Hand und schon gar nicht spielt er den "allwissenden Autor". Er wirkt vielmehr subtil, tastend und fragend, und wirkt oft wie seine Figuren, die nicht mit Worten, sondern mit Gesten ihren Gefühlen Ausdruck geben. Seine "Gestensprache" ist die Sprache der einfachen und einfachsten Menschen der Türkei, die auch seine Erzählungen bevölkern: Matrosen und Seefahrer, Arbeiter, Menschen am Rande der Großstädte und Kleinstadtbürger, Hausfrauen, und eine ganze Reihe von Menschen, deren Existenz in winzigen Ereignissen spurlos zu verglühen scheint.
Kavukçu ist nicht ideologisch, nicht theoretisch, und kaum systematisch behauptet er! Allerdings berühren seine Werke Problemfelder auf eine Art, wie sie in der türkischen Literatur bislang nicht berührt wurden und treffen den Nerv der Zeit. Heute ist es nämlich keine Frage der Ideologie, ob und wieweit und vor allem WELCHE Frauen über ihr Leben selbst bestimmen können, auch nicht, welche   Perspektiven den so genannten "Unterschichten" geboten oder genommen werden. Es ist auch keine Frage von Ideologien, ob Mensch und Natur endlich Frieden miteinander schließen. Es ist auch keine Frage von Ideologien, dass "einfache Menschen" – überall auf der Welt von heute auf morgen leben, kaum initiativ handeln können und bestenfalls mit dem Strom schwimmen.

Kavukçu ist ein überaus geschickter Autor, der sein wahres Anliegen nicht vordergründig aufbereitet. Und er hat die Begabung, die Sprache der Menschen zu sprechen und sie in ihren Herzen anzusprechen, sie tief zu berühren.
Wohl deshalb wird er in seiner Heimat so oft und so gern gelesen.